Auf unserem Bauernhof hoch über dem Zürichsee in Wollerau leben Kühe, Kälber, Ziegen, Schafe und Hühner mit uns. Am nächsten kommst du ihnen, wenn du bei uns in der Jurte übernachten kannst.
Kühe
Achtzehn Milchkühe geben dem Hof seinen Takt. Morgens und abends wird gemolken, dazwischen wird gekaut, gedöst und geschaut. Sie machen das Gegenteil von dem, was wir sonst tun: Sie lassen sich Zeit für das Einfachste. Wer eine Weile am Zaun steht und zuhört — das Mahlen, das Schnauben, das Rascheln im Stroh — wird von ganz allein langsamer. Man kann sich kaum dagegen wehren. Vielleicht ist das der eigentliche Grund, warum Ferien auf dem Bauernhof funktionieren: nicht das Programm, sondern die Tiere, die einem vormachen, wie es geht.
Kälber
Die Jüngsten sind neugierig und ungestüm. Grosse Augen, weiche Nasen, und noch keinerlei Scheu vor Menschen. Sie kommen von selbst an den Zaun, um zu schauen, wer da ist, und lecken einem die Hand ab, wenn man sie lässt — mit dieser rauen Zunge, die alle überrascht.
Für Kinder ist das oft der schönste Moment des ganzen Aufenthalts. Dieses grosse, warme Tier, das sich freiwillig nähert und keine Angst hat. So etwas vergisst man nicht, auch nicht mit dreissig.
Ziegen
Frech, schlau und felsenfest überzeugt, dass sie hier das Sagen haben. Sie begrüssen jeden Gast persönlich, ob er will oder nicht, und prüfen gründlich, ob in der Jackentasche etwas Essbares steckt. Zäune sind für sie eher ein Vorschlag als eine Regel.
Wer einmal von einer Ziege gemustert wurde, weiss: Hier läuft nichts an ihnen vorbei. Sie sind der Grund, warum bei uns am meisten gelacht wird — und meistens haben sie recht behalten.
Schafe
Die Ruhigen im Hintergrund. Sie halten Abstand, beobachten und behalten sich vor, ob sie näher-kommen wollen. Kein Drängeln, kein Betteln — sie entscheiden selbst. Wer sich Zeit lässt und leise ist, dem gehen sie irgendwann doch entgegen.
Ein kleiner Vertrauensbeweis, den man sich verdienen muss und der deshalb umso mehr bedeutet. Manchmal ist das die schönste Lektion hier oben: dass man nicht alles haben kann, nur weil man die Hand ausstreckt.
Hühner
Sie legen die Eier fürs Frühstück und räumen nebenbei ab, was im Garten übrig bleibt. Ausge-schossener Salat, Rüstabfälle, alles wandert weiter statt in den Müll. Ein Kreislauf, der sich ganz von selbst schliesst, ohne dass jemand etwas wegwerfen muss.
Sie erinnern einen daran, dass „nicht mehr schön“ und „nicht mehr wertvoll“ zwei verschiedene Dinge sind. Und ganz nebenbei sind sie die zuver-lässigsten Wecker, die wir haben — noch vor dem Hahn.
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